Rendite, die in Prozent nicht messbar ist

Mo 29. Apr 2013
iba
„Ist das Seide?“, interessiert beugte sich Weihbischof em. Karl Reger über den geblümten Stoff und ließ sich von Melissa und ihren Kolleginnen in der Schneiderei ganz genau erklären, mit welchen Materialien sie arbeiten und was sie daraus schon alles Kreatives gemacht haben.

Im Vorfeld der Solidaritäts-Kollekte für Arbeitslose im Bistum Aachen am Wochenende 11. und 12. Mai 2013, war der Weihbischof zu Gast in der Jugendwerkstatt der Jugendberufshilfe in Stolberg.

Schnell kam er dabei mit den Hauptakteuren, den Jugendlichen, ins Gespräch, die er per Handschlag begrüßte. Er sei positiv überrascht gewesen, wie offen und unkompliziert sie ihm begegnet seien. Was sichtbar auf Gegenseitigkeit beruhte, mit seiner herzlichen, zugewandten Art kam er bei seinen jungen Gegenübern gut an. Bereitwillig gaben sie ihm bei einem Rundgang mit Werkstattleiterin Gertrud Smets, Einblicke in die verschiedenen Werkstatbereiche und die Projekte, die sie dort umsetzen.

Seit 28 Jahren gibt es die „kleine, aber feine Einrichtung“, die seit 2004 ihr Zuhause in der ehemaligen Friedhofsgärtnerei der Stadt Stolberg hat, so Martin Künzer vom Trägerverein. In den Bereichen Textil, Garten und Holz werden in der werkpädagogischen Einrichtung aktuell 20 Jugendliche auf das Berufsleben vorbereitet. Dabei sei die praktische Arbeit in einem der Bereiche weniger Qualifizierung als Mittel zum Zweck. Die Jugendlichen erlangen handwerkliche Grundkenntnisse, testen Neigungen und Eignungen, lernen zu lernen, arbeiten mit der einrichtungseigenen Lehrerin an schulischen Defiziten und ganz wichtig, sie machen die positive Erfahrung „Hey, ich kann was“. „Wir wollen den Jugendlichen zeigen, dass wir sie nicht fallen lassen“, sagte Martin Künzer. Ein ganz wichtiger Partner sei dabei das Bistum, dass sie - obwohl keine kirchliche Einrichtung - mit Mitteln aus dem Soli-Fonds und der jährlichen Kollekte unterstütze. Mit den 15.000 Euro, die der Jugendberufshilfe daraus im Jahr zukommen, kann ein regelmäßiges Kochangebot umgesetzt werden, das weit mehr ist als gesunde Ernährung und regelmäßige Mittagsmahlzeiten. Ganz im Sinne der Bistumsaktion „Zu Tisch mit Gott und der Welt“, findet hier Begegnung statt über religiöse und kulturelle Grenzen hinweg,. Es wird gemeinsam eingekauft, gekocht, sich ausgetauscht und auch schon mal gestritten. Dafür gab es ein großes Dankeschön an die anwesenden Bistumsvertreter.

„Man spürt hier wird mit brennendem Herzen gearbeitet. Gut, dass es die Jugendberufshilfe gibt“, erklärte Weihbischof Karl Reger. Den jungen Menschen Anleitung und Orientierung zu geben, sie nicht unversorgt zu lassen, sei nicht immer einfach, aber in sie zu investieren bringe Rendite, „die in Prozent nicht zu messen ist“. Für ihn seien diese Besuche im Rahmen der Solidaritäts-Kollekte lehrreich und wichtig: „Orte der Arbeitslosenarbeit, sind Orte gelebter Nächstenliebe, wo miteinander gehandelt und Wertschätzung gegeben wird.“ Dieser Einschätzung schloss sich auch Pfarrer Josef Wienand an, der Karl Reger als Dekan für die Region Aachen-Land begleitete. Es treffe immer die Schwächsten in einer Gesellschaft, wies er auf den Umstand hin, dass gerade im Bereich Arbeitslosenarbeit die Gelder stark zurückgehen. Umso wichtiger sei hier der Einsatz von Kirche und zwar ohne diese Menschen, die an die Ränder gedrängt würden, konfessionell aufzusplitten.

Nach einem Rundgang durch die verschiedenen Werksbereiche, bewiesen die Jugendlichen und ihre Anleiter dann auch ganz praktisch, dass sich die Zuwendung für ihr Kochangebot lohnt. Sie luden zu selbstgekochter Suppe mit Brot sowie süßen und herzhaften Snacks ein. Für Weihbischof Reger gab es außerdem einen selbstgestalteten Blumentopf mit seinem Wappen, in den die Jugendlichen symbolträchtig Vergissmeinnicht gepflanzt hatten.

Wer sich an der Solidaritäts-Kollekte beteiligen möchte, kann seine Spende auch auf das Konto: Solidarität für Arbeit, mit der Kontonummer 105074 bei der Pax-Bank Aachen (BLZ 370 601 93) überweisen.